Am Wochenende des 28. und 29. März fand im Tennisleistungszentrum Espenhain die 16. Auflage des Turniers der Stiftung zur Förderung des Steffi-Graf-Nachwuchszentrums für Mädchen und Jungen der Altersklasse U 12 statt, welches erneut mit der, abseits der Deutschen Meisterschaften, höchsten Turnierkategorie J-1+ ausgetragen wurde. Turniere dieser Klassifizierung sind sehr rar, sodass es bei Mädchen und Jungen mehr Interessenten als Startplätze gab. Der STV ging mit jeweils fünf Spielerinnen und Spielern ins Rennen. Zum Abschluss zweier spannender Turniertage bejubelte Justus Wagner (TLZ Espenhain) als ungesetzter Spieler den Titel. Sein Vereinskamerad Jonathan Scholler und Larissa Altergott (SV Dresden Mitte 1950) gewannen jeweils die Nebenrunde.
Das Feld der Jungen war mit fünf Zusagen aus den aktuellen Top 10 des Jahrgangs 2014 extrem gut besetzt. Leider mussten am Freitag zwei dieser Spieler absagen, da sie das Finale bei einem Tennis Europe-Turnier in Österreich erreicht hatten. Somit blieben drei Top Ten-Spieler im Tableau. Alle drei Spieler sollten aber ausgerechnet an einem sächsischen Spieler scheitern, der damit den größten Erfolg seiner noch jungen Karriere feierte. Justus Wagner (TLZ Espenhain) schlug in der ersten Runde Matti Wenner (Position 8 der aktuellen deutschen Rangliste; TC Rheinstadion, TVN), im Halbfinale Amandus Rümmler (DTB-Rang 5; SC Poppenbüttel, HAM) und zur Krönung im Finale auch noch Aeneas Klein (DTB-Rang 6; Kölner KHT Schwarz-Weiss, TVM). Damit dürfte Justus Wagner in der Anfang April erscheinenden nächsten Rangliste deutlich nach vorn springen. In der ersten Runde musste er gegen Matti Wenner noch über den Match-Tiebreak gehen. Alle weiteren Spiele gewann er dann in zwei Sätzen, wenngleich im Finale nahezu alle Aufschlagspiele über Einstand gingen. In den entscheidenden Momenten zeigte Justus Wagner sein bestes Tennis, was ihm und dem gastgebenden TLZ Espenhain diesen herausragenden Erfolg bescherte.
Justus Wagner ist der erst vierte Sachse und der erste Junge, der das Ranglistenturnier der Stiftung zur Förderung des Steffi-Graf-Nachwuchszentrums gewinnen konnte. Vor ihm gelang dies Emily Welker (TC Blau-Weiß Dresden-Blasewitz) im Jahr 2016 (Altersklasse U 18), Clara-Marie Schön im Jahr 2018 (Altersklasse U 12) und Lavinia-Maria Nitzsche (beide TC Blau-Weiß Dresden-Blasewitz) im Jahr 2019 (Altersklasse U 13) jeweils in den Mädchen-Konkurrenzen.
Auch die Nebenrunde der Jungen gewann mit Jonathan Scholler ein Espenhainer Spieler. Im Halbfinale kam Jonathan nach Satzrückstand gegen Alvaro Reichl (TC Raschke Taufkirchen, BTV) zurück und sicherte letztendlich durch etwas mehr Spielwitz und Variantenreichtum den Einzug ins Finale. Dort besiegte er den aus Schleswig-Holstein stammenden Felix Kammer (Schwartauer TV von 1927, SLH) nach hart umkämpftem erstem Satz mit 7:5, 6:1. Ein sehr schöner Erfolg für Jonathan, der nach einer Erstrundenniederlage gegen Raphael Bluhm (DTB-Rang 14; TC Rot-Blau Regensburg, BTV) den Gang in die Nebenrunde antreten musste.
Larissa Altergott (SV Dresden Mitte 1950) erwischte mit der an Nummer 1 gesetzten Charlotta Sturdy (Braunschweiger THC, TNB) das schwierigste Erstrundenlos der Mädchen-Konkurrenz. Larissa schnupperte an der Überraschung, musste sich am Ende jedoch knapp mit 6:10 im Match-Tiebreak-geschlagen geben. Ihre Stunde sollte dann aber in der Nebenrunde schlagen. Diese gewann sie souverän mit drei glatten Zweisatzsiegen. Besonders bemerkenswert war dabei, dass alle acht Verliererinnen der ersten Hauptfeld-Runde für die Nebenrunde meldeten. Ein volles Nebenrunden-Feld mit Spielerinnen aus vier verschiedenen Bundesländern kommt nur äußerst selten zustande, was den Stellenwert dieses sehr gut besetzten Turniers abermals unterstreicht. Von den sächsischen Starterinnen gelang Lotta Mozet (TLZ Espenhain) und Paula Zschoyan (TC Blau-Weiß Dresden-Blasewitz) jeweils ein Auftakterfolg im 16-köpfigen Hauptfeld, ehe beide im Viertelfinale scheiterten.
Im Finale um den Titel der Mädchen standen sich mit Charlotta Sturdy und Leni Blechenberg (Turn- und Sportverein Glinde von 1930, SLH) die aktuelle Nummer 1 und 2 der deutschen Rangliste der Altersklasse U 12 gegenüber. Dabei hatte Leni Blechenberg auf dem Weg ins Finale Schwerstarbeit zu leisten. Im Halbfinale stand sie der ungesetzten und mit einer Wildcard ausgestatteten Isabella Lys (Marienthaler THC, HAM) gegenüber. Beim Namen Lys werden Tennisfans hellhörig, denn ihre ältere Schwester Eva Lys ist derzeit mit Weltranglistenposition 80 die drittbeste deutsche Spielerin. Betreut wird Isabella von ihrem Vater, der auch schon die älteste Schwester Lisa bis in die Damen-Weltrangliste führte. Isabella Lys wurde im Januar erst elf Jahre alt und kann somit noch keine Position in der Mädchen-Rangliste vorweisen. Dass ihre Wildcard absolut berechtigt war, zeigten jedoch ihre zwei klaren Siege in den ersten beiden Runden. In einem hochklassigen Halbfinale, wo sie als Jahrgangsjüngere über weite Strecken auch die bessere Spielerin war, unterlag sie Leni Blechenberg. Im entscheidenden Moment des Match-Tiebreaks war Leni Blechenberg etwas klarer und beendete die Partie mit einem sehenswerten Rückhand Longline-Winner. Im zweiten Halbfinale trat Verena Velkova (TSC Neuendettelsau, BTV) krankheitsbedingt nicht an, sodass die Topgesetzte Charlotta Sturdy kampflos ins Finale einzog.
Das Finale war für die groß gewachsene Ranglistenbeste Charlotte Sturdy eine relativ klare Angelegenheit – sie gewann das Match und damit den Titel verdient mit 6:3, 6:0.
Thomas Hiebel, Antonia Preißler-Szelig
Fotos: Thomas Hiebel, Michael Weiß